TVI-Manager “Diesel” Hülsmeier im Interview

Die Regionalliga-Basketballer des TV Ibbenbüren schafften im vergangenen Jahr als Aufsteiger den Klassenerhalt. Nach den Abgängen von vier Leistungsträgern und der Verpflichtung von vier neuen externen Spielern strebt das Team nach Höherem. Im Gespräch äußert sich der Manager der Basketballer, Tobias „Diesel“ Hülsmeier, über Perspektiven und Ziele der TVI-Basketballer.

Mit Courtney Belger, Jasper Chiwuzie, Atilla Göknil und Patrick Olliges haben vier Leistungsträger der vergangenen Saison den Verein verlassen. Waren Sie überrascht von den Abgängen dieser Spieler?

Tobias Hülsmeier: Drei der vier Abgänge haben uns gar nicht überrascht. Bei Courtney war uns bewusst, dass er sich sportlich gerne noch mal in einer höheren Spielklasse beweisen wollte. Schon in der letzten laufenden Saison hat er für uns das OK bekommen, zum Probetraining unter Pat Elzie nach Vechta zu fahren. Und genau dieser ist jetzt Coach bei den Itzehoe Eagles. Timo Völkerink hat zudem auf dessen Anfrage auch noch eine Empfehlung ausgesprochen. Jasper wollte sich kurz nach der Saison noch nicht äußern, ist dann aber nach Rückkehr in seine Heimat nach einem wirklich gut dotierten Angebot aus Belgien sehr schnell an uns heran getreten und hat um Vertragsauflösung gebeten. Dieser haben wir unserseits stattgegeben, da wir finanziell nicht mithalten konnten und einem verdienten Spieler aber auch keine Steine in den Weg legen wollten. Bei Ati ist ja noch gar nicht sicher, ob er ein Abgang ist. Er ist aktuell studiumsbedingt in Australien bis Ende November. Und danach ist es keineswegs ausgeschlossen, dass er ab Dezember wieder für uns aufläuft. Auch er hat seine Situation stets offen und fair kommuniziert. Da er ja letzte Saison gezeigt hat, dass er Basketball spielen kann, ist die Tür also noch offen. Lediglich der Abgang von Patrick Olliges hat mich etwas überrascht, wenngleich es sich dann kurz vor seiner eigentlichen Entscheidung schon irgendwie angekündigt hat. Er war bei Tryouts einiger Vereine und hat die für sich beste Lösung gesucht. Unser Angebot war sicherlich nicht unattraktiv, aber er hat sich woanders wohl etwas mehr erhofft. Letztlich bin ich nach wie vor gespannt, in welchem Verein wir ihn nächstes Jahr sehen.

Der TVI war in der Sommerpause nicht untätig und hat mit Gene Hagner, Bobby Naubert, Flavio Stückemann und Maikel Post vier Neue geholt. Adäquater Ersatz oder sogar eine qualitative Verbesserung?

Hülsmeier: Nicht untätig ist fast schon Ironie. Ich selber hatte Kontakt zu mehr als 20 potenziellen Spielern zwischen März und heute. Allerdings wollten wir diesmal noch mehr auf die Charaktere der neuen Spieler achten, nicht im klassischen Sinne von gut oder schlecht. Wir haben Spieler gesucht, die uns sportlich stärken, die aber genauso Vorbild für unsere eigenen und teilweise jungen Spieler sind und sich über die Position Spieler hinaus im Verein engagieren in verschiedenen Rollen. Ein direkter Vergleich der „alten“ mit den „neuen“ Spielern ist in meinen Augen nicht angebracht und auch nicht notwendig. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass die Neuen sportlich und charakterlich 100 Prozent zum TVI passen. Und wenn die Teamchemie stimmt, ist das immer gut und bringt meistens Verbesserungen.

Widerspricht die Verpflichtung von vier externen Spielern nicht der immer wieder geäußerten Absicht, auf eigene Akteure und die eigene Jugend zu setzen?

Hülsmeier: Nein, überhaupt nicht. Wir spielen ja auch wie gesagt nur mit vier Externen, haben aber mit acht Eigengewächsen so viele eigene Spieler wie kein anderer Club in unserer Liga im Kader. Gerade durch das Hauptaugenmerk darauf, die richtigen externen Spielercharaktere zu verpflichten, stärken wir die eigenen Akteure durch aktive Vorbilder, von denen man sehr viel lernen kann. Und man muss ja auch das richtige Timing erwischen, aktuell könnten wir ohne Externe die Klasse nicht halten. Allerdings kann das in der Regionalliga kein einziger Verein mehr. Des Weiteren sind alle Schritte hinter der ersten Mannschaft exakt planmäßig umgesetzt. Wir spielen mit unserer zweiten Mannschaft dieses Jahr in der Oberliga, um Jugendliche an ein ordentliches Seniorenniveau heran zu führen. Acht Spieler unter 20 Jahren sind in dem Kader. Die Vorzeichen sind also alle äußerst positiv.

Die Kepler-Halle war gestern, das neue Zuhause der TVI-Basketballer ist die Halle Ost. Ein Vor- oder ein Nachteil?

Hülsmeier: Eine Frage, die nach den letzten Wochen brisante Antwortoptionen zulässt. Aber ganz nüchtern betrachtet gibt es da Vor- und Nachteile. Die relevantesten Vorteile sind natürlich die Zuschauerkapazität, die wir mittelfristig auch regelmäßig gerne füllen würden, und die zusätzlichen Werbemöglichkeiten. Beides brauchen wir, weil wir in der neuen Keplerhalle in beiden Disziplinen an Grenzen gestoßen sind. Wir hoffen jetzt für die nächsten Jahre eine konstante Trainings- und Spielmöglichkeit gefunden zu haben, der vierte Wechsel in drei Jahren reicht uns dann auch.

Zu den Gegnern: Ist die Regionalliga im Vergleich zur vergangenen Saison eher stärker oder schwächer einzuschätzen?

Hülsmeier: Deutlich stärker. Die Tendenz gibt es schon seit ein paar Jahren, in den letzten Monaten wird sie nur deutlicher. Die Teams der 1. Regionalliga sind deutlich näher an der zweiten Liga als an der 2. Regionalliga. Damit meine ich neben dem sportlichen Aspekt aber auch die Professionalität und Strukturen drumherum. Ab dieser Saison sind wir verpflichtet, jedes Spiel aufzuzeichnen und dies zur Verfügung zu stellen, ein weiteres von vielen kleinen Merkmalen der Professionalisierung. Es gibt gerade in unserer Regionalliga, die wahrscheinlich die stärkste Regionalliga in Deutschland ist, auch einige tolle und namhafte Projekte, hinter denen sicher ein sehr gutes Budget steckt. Um ganz oben mitzuspielen in dieser Liga braucht man schon einen guten sechsstelligen Etat.

In der Vorbereitung ließ der TVI durch ausgesprochen gute Ergebnisse aufhorchen. Ist in der kommenden Saison mehr drin als der Klassenerhalt?

Hülsmeier: Ja. Bereits am Ende der letzten Saison war für mich klar, dass das Saisonziel mindestens Platz 10 sein wird nach Platz 11 im Vorjahr. Es muss immer eine gesunde Entwicklung nach oben geben, das ist auch meine Motivation als ehrenamtlicher Manager. Mit unserem finalen Kader peilen wir nun einen Platz im Mittelfeld an in dieser Saison, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir müssen Automatismen entstehen lassen im Team und ein Zusammenwachsen ermöglichen. In diesem Kader ist kein Spieler nur für eine Saison geplant.

Was ist das mittelfristige Ziel des TVI? Will er sich in der Liga etablieren oder vielleicht sogar noch höher hinaus?

Hülsmeier: Der Plan 2. Liga ist seit drei Jahren fix, Umsetzung allerdings bis 2020. Wie schon öfter gesagt, wollen wir mit eigenen Kräften und mit gesundem Wachstum nach oben. In den letzten Jahren hat man viele Basketballvereine gesehen, die schnell oben und noch schneller wieder unten oder ganz weg waren. Wir wollen den Weg zwar zielorientiert, aber seriös gehen. Lieber im Zeitplan nach hinten rutschen, als finanzielle Risiken einzugehen. Aber in den letzten drei Jahren haben wir wirklich alle sportlichen und strukturellen Ziele mindestens erfüllt. Insofern bin ich optimistisch, was die kommenden Jahre angeht.

Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung

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