Manager “Diesel” Hülsmeier freut sich über die Verpflichtung von Bundesligaprofi Flavio Stückemann
Das dürfte die Liga aufhorchen lassen: Aus der Bundesliga wechselt Flavio Stückemann zum Basketball-Regionalligisten TV Ibbenbüren. „Dass Flavio sich für unsere Strukturen entschieden hat, ist eine Bestätigung der letzten Jahre“, sieht Hülsmeier auch etwas Absolutes in der Verpflichtung.
„Es ehrt uns, dass er zu uns kommt, aber das haben wir uns auch erarbeitet. In den vergangenen drei Jahren haben wir uns deutlich nach vorne entwickelt.“
Warum wechselt ein Spieler aus der Bundesliga in die 1. Regionalliga?
Das hat zwei Gründe: Erstens hat Flavio Stückemann während seiner Zeit bei Rasta Vechta ein Duales Studium (Industriekaufmann/BWL) absolviert. „Damit will ich nun einen zweiten Fuß an den Boden bekommen“, sagt Stückemann, der nun mit 30 Jahren nicht mehr nur noch auf die Karte „Basketballprofi“ setzen möchte. Dabei wollen der TVI und Tobias Hülsmeier ihm helfen. Zweitens, das betont Stückemann, wäre er auch nicht zu jedem Regionalligisten gewechselt. „Ich bin im Osnabrücker Raum aufgewachsen und bin hier ein Stück weit zu Hause. Dennis Wesselkamp und auch Timo Völkerink sind langjährige Freunde von mir, die ich über den Basketball kennengelernt habe.“ Der Kontakt bestand aufgrund der Freundschaft also ohnehin, „die Idee TVI hatte ich immer im Hinterkopf“, so Stückemann.
Hat Flavio Stückemann auch Angebote aus der 1. Liga für den TVI sausen lassen?
Ja. Sein letzter Verein waren die Eisbären Bremerhaven. „Eine Verlängerung stand im Raum. Wir konnten uns aber nicht einigen“, erzählt Stückemann. Da die Beko BBL erst im Oktober beginnt, hätte er auch auf weitere Offerten spekulieren können. „Die Aussicht auf viel Spielzeit war aber nicht mehr gegeben“, so Stückemann. Auf die ProA oder ProB hat er nicht mehr geschielt, denn das wäre immerhin noch so professionell gewesen, dass er nebenher keine Zeit gehabt hätte, sich um seine berufliche Zukunft zu kümmern.
Welche Erfahrungen bringt Stückemann ein und wie äußerst sich das?
Vor mehr als zehn Jahren hat Flavio Stückemann in der 1. Liga debütiert. Seitdem bei fünf unterschiedlichen Vereinen und außerdem in der U20- sowie der A2-Nationalmannschaft gespielt. Sein U20-Nationalcoach war Chris Fleming, heute Bundestrainer. „Ich habe Chris unheimlich geschätzt für seinen straighten Charakter und seine akribische Arbeit. Sein menschliches Wesen und seine Arbeit haben ihm erlaubt, so einen Erfolg zu haben“, erinnert sich Stückemann. Auch Frank Menz oder Dirk Bauermann reiht er hier ein. „Die Mischung aus Basketball-Wissen und mit der Gruppe umgehen zu können, das sind Dinge, die du nicht lernen kannst.“ Von allem, was er in seiner Karriere bisher mitgenommen hat, will Stückemann auch in Ibbenbüren dem Team etwas zurückgeben. „Hier gibt es viele junge Spieler mit Talent und Arbeitsmoral“, hat er beobachtet. Die wolle er an die Hand nehmen und kommunikativ auf motivierende Weise Tipps geben. Immer wichtig dabei: der Faktor Spaß.
Was bedeutet das für den TVI?
Zum einen, dass er sich finanziell bis ans äußerste gestreckt hat, bestätigte Manager Hülsmeier. Bei Bundesliga-Gehältern hält der TVI dann aber doch noch nicht ganz mit. „Das ist aber ein Zeichen von gegenseitiger Wertschätzung“, so Hülsmeier. Sportlich hat er auf der Position zwar nicht gesucht, „aber wir erhalten äußerst selten die Chance, einen Bundesliga-Spieler zu holen“. Entscheidend aber, und das ist gerade Hülsmeier wohl das wichtigste am gesamten Deal, sei der Charakter von Stückemann. „Er ist ein Führungsspieler, sympatisch und charismatisch. Er begeistert die jungen Spieler ganz ohne Arroganz. Das ist bei drei Ligen weniger nicht selbstverständlich“, sagt Hülsmeier, der bei der Kaderzusammenstellung in diesem Sommer speziell auf den Charakter geachtet hat. „Wenn der nicht passt, würde ich auch einen Bundesliga-Spieler nicht holen.“
Stückemanns Stationen:
1992-2002: TuS Bramsche (2. Regionalliga)
2002-2003: TSV Quakenbrück (2. Regionalliga und 2. Liga)
2003-2008: Phantoms Braunschweig (1. und 2. Liga)
2008-2010: Artland Dragons (1. Liga)
2010-2011: BG Karlsruhe (ProA)
2011-2014: Rasta Vechta (ProB, ProA, 1. Liga)
2014-2015: Eisbären Bremerhaven
2005-2009: U20-Nationalmannschaft, A2-Nationalmannschaft
Kommentar
Über zu wenig Selbstbewusstsein kann sich TVI-Manager Tobias Hülsmeier nicht beklagen. Das ist beim 2,03-Meter-Mann gesund. Am Dienstagmorgen kam Hülsmeier vielleicht noch ein bisschen stolzer als sonst zum Pressetermin in die Kepler-Halle. Immerhin hatte er einen Bundesliga-Spieler im Schlepptau, dem er ab sofort das TVI-Trikot überzieht. Man darf diesen Begriff nicht zu inflationär verwenden, aber der Stückemann-Deal ist ganz sicher ein Transfercoup für den Ibbenbürener Basketball. Sportlich ist Flavio Stückemann über jeden Zweifel erhaben, charakterlich ist er ein einwandfreier Typ. Am Dienstagmorgen hätten wir noch stundenlang in der Halle sitzenbleiben und diskutieren können. Über Basketball, über Charakter, über seine Erfahrung, über alles. Herr Hülsmeier, Herr Völkerink, Herr Wesselkamp: Chapeau!
Jan Kappelhoff
Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung






















