Hat ständig die Gesamtsituation im Blick und dabei elf Monate im Jahr genügend zu tun: TVI-Manager Tobias Hülsmeier.

Um keine andere Sportmannschaft aus dem Tecklenburger Land herrschte in den vergangenen zwei Jahre so eine Euphorie wie um die Regionalliga-Basketballer des TV Ibbenbüren. Einer der Dramaturgen ist Manager Tobias Hülsmeier. Im Interview mit unserem Medienhaus verrät Hülsmeier, wie viele Spieler des Kaders bleiben sollen, ob er mit den Coaches weiterarbeiten möchte, und wo das Team die Wochenenden nach der Saison verbringt.

Herr Hülsmeier, viereinhalb Wochen sind seit dem Rückspiel des Pokalfinals, dem bis dato letzten Spiel der TVI-Basketballer, vergangenen. Danach durften Sie erleben, dass es Ostern tatsächlich auch ohne Osterturnier gibt…

Tobias Hülsmeier: Eine sehr schöne Phase, da bei mir erst einige Tage nach dem tollen Sieg in der Halle Berg Fidel vor 2300 Zuschauern der Anspannung der gesamten Saison abgefallen ist. Dann wird einem klar, dass man gerade das größte Basketballspiel seit langen Jahren gegen den frisch gekürten Meister bei diesem zu Hause gewonnen hat. Ein sehr schönes Gefühl. Ostern ohne Osterturnier war tatsächlich ungewohnt, aber auch eine Chance, mal ein paar Tage frei zu haben. Insofern ganz schön. Allerdings haben wir uns am Karfreitag in unserer internen Osterturnier-Whatsapp-Gruppe schon gegenseitig gestanden, dass es ungewohnt und komisch ist. Nach 40 Jahren Tradition und ungefähr zehn Jahren in der aktuellen Organisationsbesetzung auch klar. Obwohl wir ja am Ostersamstag ein internes Turnier gespielt haben mit 32 Teilnehmern. Also ein bisschen Basketball gab es dann auch zu Ostern.

Wie laufen denn eigentlich die Planungen für das angedachte Osterturnier im August?

Hülsmeier: Tatsächlich kann ich diese Frage nur bedingt beantworten, da ich mit den Planungen nichts zu tun habe. Das bisherige Osterturnier-Organisationsteam wird dieses Turnier auf die Beine stellen. Insofern bin ich recht zuversichtlich, dass es ein sehr gut organisiertes Turnier wird. Was ich sicher weiß, ist, dass die Planungen laufen und die nächste Runde Ende April ist.

Apropos Planungen: Nach der alten muss der Manager bestimmt schon wieder an die neue Saison denken. Ist das jetzt die Zeit, in der Sie am meisten unter Hochdruck arbeiten?

Hülsmeier: Das ist wohl so, allerdings habe ich mir bewusst und angekündigt dieses Jahr selbst auch mal vier Wochen Auszeit genommen. Seit vergangener Woche gehen die Planungen langsam los. Dabei rede ich aber vor allen erst einmal mit unseren bisherigen Spielern, dann erst werde ich Kontakt zu potenziellen Neuzugängen aufnehmen. Die Hochdruckphase hat jetzt begonnen und endet hoffentlich schon früh, planmäßig im Juni. Aber auch im Anschluss gehen die Planungen nahtlos weiter. Auch wenn unsere Saison nur sieben Monate läuft – als Manager läuft sie am Ende doch elf Monate.

Oft werden im Basketball auf Regionalliga-Niveau Großteile der Mannschaft im Sommer ausgetauscht. Wen möchten Sie vom Kader der vergangenen Saison halten?

Hülsmeier: Ich sage es mal so: Ich bin mir mit beiden Coaches einig, dass wir den Großteil des Teams gerne zusammenhalten würden. Im Prinzip würden wir gerne nur einen oder zwei neue Spieler dazu holen wollen. Aber das liegt an vielen Einflüssen, auf die man teilweise nur sehr bedingt oder gar nicht einwirken kann.

Wo sehen Sie denn Verbesserungsbedarf?

Hülsmeier: Die vollumfängliche Beantwortung dieser Frage würde sicher den Rahmen des Interviews sprengen. Nicht etwa, weil alles oder vieles nicht gut läuft, aber ich sehe immer und überall Potenzial, Strukturen und Abläufe zu verbessern – bei mir selbst, bei der Mannschaft, in der Organisation. Sehr viele Punkte kann man nur mit mehr Manpower verbessern und hier gibt es zwei Möglichkeiten: Über noch mehr Ehrenamtliche mehr Stunden Arbeit verteilen oder Mitarbeiter anzustellen. Ich glaube, dass die ehrenamtlich Tätigen in der Abteilung schon alle sehr viel leisten und einige an Ihrem persönlichen Limit mitwirken. Deswegen wäre einer der nächsten Schritte sehr wohl, bezahlte Mitarbeiter einzusetzen. Mit unserem kleineren Budget müsste dieser Mitarbeiter allerdings dann auch mindestens so viel bringen, wie er kostet. Ein schmaler Grat also. Sollte unsere Entwicklung so weitergehen, wird das irgendwann mal ein Thema werden. Am Ende hängt auch das am lieben Geld und das hätten wir ohne unsere Sponsoren nicht. An dieser Stelle möchte ich mich gerade bei diesen noch mal ausdrücklich und herzlich bedanken.

Die Coaches Marc Pohlmann und Christian Beuing haben den TVI zwei Mal in Folge auf Platz 5 geführt. Alles andere, als dass die beiden Ihre ersten Ansprechpartner für eine Vertragsverlängerung sind, würde überraschen…

Hülsmeier: Ich überrasche doch gerne. Nein, kleiner Scherz. In diesem Punkt sind wir uns einig, ich möchte gerne mit beiden in die kommende Saison gehen und aktuell sieht es auch tendenziell gut aus. Final unterschrieben ist allerdings noch nichts, da auch die beiden verständlicherweise Ansprüche entwickeln. Wohlgemerkt meine ich hier keine finanziellen Forderungen, da arbeiten beide ebenfalls nahezu ehrenamtlich und auch das weiß ich sehr zu schätzen.

Schauen wir noch einmal zurück: Die Saison hat wie im Vorjahr turbulent begonnen, anschließend mündete die Konsolidierungsphase erneut in großer Euphorie. Wie fällt das (kurze) Fazit des Managers aus?

Hülsmeier: Da muss man sich auch mal als Manager hinterfragen, ob man alles richtig gemacht hat. Die Analyse nehme ich keinesfalls alleine vor und hole mir dazu auch immer Feedback ein. Letztlich mache ich sicher auch Fehler, aber die scheinbar gleichen Verläufe sind aus völlig verschiedenen Gründen zustande gekommen. In der letzten Saison haben wir nach dem Tausch auf der Coach-Position und der Verpflichtung von Rishi Kakad schon ein kleines Märchen geschrieben. In dieser Saison haben wir zwangsläufig einen komplett neuen Kader zusammengebaut und hatten am Anfang Findungsprobleme, danach verlässt uns berufsbedingt der bis dahin bärenstarke David Wiegard und Michael Harvey aus nachvollziehbaren privaten Gründen. In beiden Fällen finde ich es wichtiger, als Verein keine Steine in den Weg zu legen, und den sportlichen Erfolg hinten an zu stellen. Nach den Nachverpflichtungen von Omar Zemhoute und Denzel Johnson haben wir schon wieder ein Märchen geschrieben. Natürlich ist es im kommenden Jahr schon das Ziel, auch mal gut in die Saison zu starten (schmunzelt).

Was waren die größten außersportlichen Fortschritte bei den TVI-Basketballern in der vergangenen Saison?

Hülsmeier: Erstens unsere Fans. Wir nennen sie nicht umsonst die „besten Fans der Liga“. In unseren Heimspielen und teilweise sogar in unseren Auswärtsspielen können unsere Fans unser Spiel tatsächlich positiv beeinflussen. Früher eine nette Story, heute definitiv Fakt. Jeder Spieler dieser Liga freut oder fürchtet sich vor unserer Kulisse, egal ist sie wohl keinem. Zweitens die Teamchemie. Nach längeren Jahren mit mehr oder weniger guter Teamchemie ist dies die erste Saison, in der man eine echte Mannschaft, die füreinander spielt, gesehen hat. Vorletztes Wochenende ist die gesamte Mannschaft dann auf eigene Kosten ein Wochenende lang nach Amsterdam gefahren. Das ist auf diesem Niveau außergewöhnlich und sehr schön. Aber auch das ist kein Zufall: Die Spieler, die Coaches und andere Beteiligte haben sich das erarbeitet.

Quelle: IVZ

Consent Management mit Real Cookie Banner